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40 Jahre NEIN zu AKW Zwentendorf

Am 5. November 1978 entschied die österreichische Bevölkerung in einer Volksabstimmung das bereits gebaute Atomkraftwerk Zwentendorf nicht in Betrieb zu nehmen. Auf die Spuren der österreichischen Atomkraftwerksgeschichte machte sich eine Gruppe der Katholischen Männerbewegung St. Pölten und besichtigte das weltweit einzige nie in Betrieb gegangene Atomkraftwerk. Passend zum KMB-Jahresthema „Mitgestaltung der Gesellschaft in Österreich“.

Es war eine Fahrt in die Vergangenheit, als das Atomkraftwerk die österreichische Gesellschaft vor eine Zerreißprobe stellte. Bei den teilnehmenden Männern und Frauen dieses Ausflugs war deswegen eine gewisse Anspannung zu spüren. Schließlich besichtigt man nicht alle Tage ein Atomkraftwerk. Was auch schwer möglich wäre, sobald es einmal in Betrieb genommen wurde. Aus der Ferne wird das AKW endlich sichtbar. Es wird ruhiger im Bus und je nach Alter der Teilnehmenden werden Erinnerungen wach oder gibt es jede Menge zu lernen. Reiseleiter Walter Feninger aus Markersdorf gibt noch letzte Infos, bevor der Bus in das Kraftwerksgelände einfährt.

4 Jahre Bauzeit

Das Atomkraftwerk Zwentendorf ist ein Stück österreichischer Zeitgeschichte und ein energiepolitisches Mahnmal. Am 4. April 1972 erfolgte der Spatenstich. Bis zur endgültigen Fertigstellung des Siedewasserreaktors mit einer Leistung von 732 Megawatt vergingen vier Jahre. Ab dem Jahr 1975 kam es jedoch zu Gegenbewegungen. Proteste gegen das Atomkraftwerk vermehrten sich. Im Herbst 1976 startete die Regierung eine Informationskampagne, mit dem Ziel, die Nutzung der Atomenergie – und damit die Inbetriebnahme des AKW – zu rechtfertigen. Der gewünschte Effekt blieb aus. Das AKW spaltete keine Atome, sondern Parteien und Meinungen.

Volksabstimmung

In der Erwartung eines zustimmenden Ergebnisses entschloss sich Bundeskanzler Bruno Kreisky, das Volk über die Betriebnahme des Kernkraftwerkes abstimmen zu lassen – doch der Schuss ging nach hinten los. Am geschichtsträchtigen 5. November 1978 verlas Innenminister Erwin Lanc um 19.30 Uhr das Ergebnis: 1.576.839 Ja-Stimmen oder 49,53 Prozent, 1.606.308 Nein-Stimmen oder 50,47 Prozent. Die Abstimmung führte zum Atomsperrgesetz, nach welchem in Österreich auch keine Kernkraftwerke ohne Volksabstimmung gebaut werden dürfen. Der Energieplan des Jahres 1976 sah den Bau von insgesamt drei Atomkraftwerken vor. Die zweite Anlage war für St. Pantaleon-Erla vorgesehen. Als Standort des dritten Kraftwerks war St. Andrä in Kärnten geplant.

AKW-Führung

Nach einer Sicherheitsschulung war es dann soweit und die Führung konnte beginnen. Das AKW wurde betreten und schon die ersten Blicke sagten, hier ist die Zeit stehengeblieben. Besonders in der Zentrale war dies deutlich an den Schaltapparaten und Telefonen sichtbar. Sachkundig wurde das Gebäude, die notwendigen Schritte zur Energiegewinnung sowie allgemeine Informationen vermittelt. Das ungelöste Problem der Lagerung bzw. Endlagerung wurde mehrmals angesprochen. Trotz der Gesamtkosten von 1 Milliarde Euro bis zur Liquidierung 1985 ist Zwentendorf ein „billiges“ AKW, denn der Rückbau nach dem Ende wäre ein langer und sehr teurer Prozess. Es ist ein Verdienst der EVN, dass das AKW Zwentendorf überhaupt besichtigt werden kann. 2005 wurde es gekauft und seit Juni 2010 ist gegen Voranmeldung eine Besichtigung möglich.

AKW Zwentendorf heute

Das Atomkraftwerk Zwentendorf produziert viele Jahre nach der Volksabstimmung nun doch Strom für Österreichs Haushalte. Seit 2009 dient es der Gewinnung nachhaltiger Energie, denn es wird als Solarkraftwerk genutzt - mit einer durchschnittlichen Energieerzeugung von 180.000 kWh im Jahr. Insgesamt 1.000 Photovoltaikpaneele erzeugen nun auf der Fassade, dem Dach und den umliegenden Freiflächen des alten Atomkraftwerks saubere Energie. Die Location dient heute auch dem kulturellen Bereich. Der Reaktor diente als Kulisse für Filme oder die Location als Austragungsort für Musikfestivals. 2018 fand am 11. August die zweite Ausgabe des „Shutdown Festivals“ statt. Weiters ist Zwentendorf ein Schulungsreaktor. Da das AKW nie in Betrieb ging, sind heute Bereiche zugänglich, die ansonsten aufgrund der hohen Radioaktivität gar nicht oder nur unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen begehbar wären.

Atomkraft kennt keine Grenzen

Dennoch, Atomkraft kennt keine Grenzen und so befinden sich noch immer 14 Atomkraftwerke rund um Österreich. In der EU betreiben 14 der 28 Staaten Atomkraftwerke. Mit 126 Reaktoren stehen hier ungefähr ein Viertel der weltweiten Reaktoren. Und auch Österreich importiert in geringen Mengen Atomstrom aus dem Ausland.

Einen lehrreichen und hochinteressanten Nachmittag beendete Michael Scholz, Diözesansekretär der KMB St. Pölten, mit folgenden Worten: „Wer mit dem heutigen Wissen ein Atomkraftwerk plant und in Betrieb nimmt, macht sich eines Verbrechens schuldig“.